Einzelfragen Nr. 2

Covid-19, Steuerperiode 2020



Gesetzliche Grundlagen
Diverse

Weitere Grundlagen
 

•    RRB 2020/432 vom 23. März 2020, Notverordnung über die Überbrückungshilfe für
     Selbstständigerwerbende infolge der Corona-Pandemie;
•    RRB 2020/527 vom 7. April 2020, Soforthilfe für Kindertagesstätten während der
      COVID-19-Pandemie: Verwendung des Bettagsfrankens 2020 und von Mitteln aus
      Erbschaften; Aufruf an die Gemeinden für Solidaritätsbeiträge;
•     RRB 2020/529, Verordnung über die Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen
      des Coronavirus (COVID-19) im Kultursektor (CorKulturV);
•    RRB 2020/599 vom 21. April 2020, Verordnung zur Abfederung der wirtschaftlichen
      Folgen der Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus (COVID-19) bei
      Kindertagesstätten;
•    RRB 2020/666, Zinserlass bei kantonalen Mietobjekten und Baurechtsverhältnissen
      während Corona-Pandemie;
•    Eidgenössische Steuerverwaltung, Mitteilung-002-D-2016-d vom 15. Juli 2016,
      Neuerungen bei der Ausfertigung des Lohnausweises ab 1. Januar 2016:
      Deklaration des Anteils Aussendienst bei Mitarbeitenden mit Geschäftsfahrzeug.


Inhalt

1      Allgemeines   
2      Unselbständigerwerbende   
2.1    Entschädigung Kurzarbeit und Taggelder   
2.2    Entschädigung Home-Office  
2.3    Abzug für das Arbeitszimmer bei Home-Office
2.4    Fahrkosten für die Benutzung des Autos
2.5    Verpflegungskosten
2.6    Berufskostenpauschale
3       Selbständigerwerbende
3.1     Kredite  
3.2     Entschädigung für Erwerbsausfall (Taggelder)   
3.3     Überbrückungshilfe für Selbständigerwerbende   
3.4     Zinserlass bei kantonalen Mietobjekten   
3.5     Mietzinsreduktion von Geschäftsräumen   
3.6     Ausfallentschädigungen für Kulturschaffende   
3.7     Soforthilfe für Kindertagesstätten   
4        Kinderdrittbetreuungskosten   
5        Lohnausweis   
5.1     Allgemeines   
5.2     Geschäftswagen   
5.3     Vergünstigte Mahlzeiten   
5.4     Verpflegung und Unterkunft   
5.5     Kurzarbeitsentschädigung   
5.6     Spesenvergütungen

1       Allgemeines
          Im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie ergeben sich zahlreiche
          steuerrechtliche Fragen, die im Folgenden beantwortet werden. Trotz den
          weitreichenden Auswirkungen der vom Bund und den Kantonen beschlossenen
          Massnahmen ergeben sich keine grundsätzlichen Änderungen der bisherigen
          Praxis im Steuerrecht.
          Die Regelung gilt für die Steuerperiode 2020.

2        Unselbständigerwerbende

2.1     Entschädigung Kurzarbeit und Taggelder

           In der Regel werden solche Entschädigungen direkt vom Arbeitgeber
           ausbezahlt und sind folglich im Lohnausweis bereits enthalten. In der
           Steuererklärung ist diese Entschädigung bei einem Haupterwerb unter Ziff. 100 / 101,
           bei einem Nebenerwerb unter Ziff. 110 / 111 zu deklarieren.

           Falls die Entschädigung nicht direkt vom Arbeitgeber ausgerichtet wurde, ist sie
           in der Steuererklärung unter Ziff. 230 / 231 zu deklarieren. In diesem Fall hat
           die Ausgleichskasse eine entsprechende Bestätigung ausgestellt

2.2     Entschädigung Home-Office
           Für Steuerpflichtige, die bisher eine Entschädigung ihres Arbeitgebers für Home-Office
           erhalten haben, ergibt sich gegenüber der bisherigen steuerrechtlichen Würdigung
           keine Änderung.
           Entschädigen Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden mit einer Spesenpauschale für
           Home-Office aufgrund der Aufforderung des Bundesrates, möglichst im Home-Office
           zu arbeiten, werden diese bis zu einem monatlichen Betrag von CHF 50 als nicht
           steuerbare Spesenentschädigung akzeptiert (max. CHF 500). Pauschalspesen für
           die Tätigkeit im Home-Office sind im Lohnausweis auszuweisen
           (Ziff. 13.2.3 oder Ziff. 15).
.

2.3     Abzug für das Arbeitszimmer bei Home-Office
           Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen und der aktuellen Rechtsprechung
           kann ein Abzug für die Benutzung eines privaten Arbeitszimmers nur unter
           bestimmten Bedingungen gewährt werden. Einerseits wird gefordert, dass
           die steuerpflichtige Person regelmässig einen wesentlichen Teil der beruflichen
           Arbeit zu Hause erledigen muss, weil der Arbeitgeber kein geeignetes
           Arbeitszimmer zur Verfügung stellt. Andererseits muss die steuerpflichtige
           Person in ihrer Privatwohnung über einen separaten Raum verfügen, der zur
           Hauptsache beruflichen und nicht privaten Zwecken dient. Der ersten Bedingung
           gleichgesetzt wird die Aufforderung des Bundesrates, möglichst im Home-Office
           zu arbeiten. Die zweite Bedingung gilt als erfüllt, wenn zwar kein separater Raum
           für die berufliche Tätigkeit zur Verfügung steht, ein Raum dafür aber dauerhaft
           umfunktioniert wurde.

           Im Sinne einer verfahrensökonomischen Lösung und unter Berücksichtigung
           der besonderen Situation werden grundsätzlich keine zusätzlichen Abzüge
           für das Arbeitszimmer gewährt, zumal solche Kosten durch den Pauschalabzug
           für übrige Berufskosten bereits gedeckt sind. Stattdessen können weiterhin
           die üblichen Berufsauslagen (insb. Arbeitsweg mit Velo und ÖV sowie Mehrkosten
           der auswärtigen Verpflegung), welche bei einer Tätigkeit am angestammten
          Arbeitsplatz angefallen wären, in der Steuererklärung 2020 deklariert werden

2.4    Fahrkosten für die Benutzung des Autos
          Steuerpflichtige, die von Mitte März 2020 bis Mitte Juni 2020 mit dem Auto
           anstatt dem ÖV an den Arbeitsplatz gefahren sind, können hierfür die Kosten
           für das Auto zum Abzug bringen, weil aufgrund der behördlichen Massnahmen
           eine Nutzung des ÖV in diesem Zeitraum nicht als zumutbar erachtet wird.
           Das Kantonale Steueramt kann eine Bestätigung des Arbeitsgebers verlangen,
           um zu prüfen, ob der Arbeitnehmer während dieser Zeit tatsächlich am bisherigen
           Arbeitsort tätig war.
  
           Für Steuerpflichtige, die zur Gruppe besonders gefährdeter Personen gemäss
           Auflistung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) gehören, wird vermutet, dass für
           sie die Nutzung des ÖV bis zum 31. Dezember 2020 nicht zumutbar ist. Sie können
           daher die Kosten für das Auto anstatt für den ÖV zum Abzug bringen. Dazu muss
           auf Verlangen nachgewiesen werden, dass die Arbeit tatsächlich am Arbeitsort und
           nicht im Home-Office ausgeübt worden ist. Dies kann beispielsweise mittels
           Bestätigung des Arbeitgebers erfolgen. Angehörige der Risikogruppe haben ein 
           entsprechendes Arztzeugnis der Steuererklärung beizulegen.
 

2.5     Verpflegungskosten
           Es werden bei gleichbleibender Arbeit (Ort und Umfang) die gleich hohen
           Verpflegungskosten wie im Vorjahr gewährt, auch wenn ein Teil der Arbeit
            im Home-Office erfolgte.
  
           Sofern dem Steuerpflichtigen aufgrund der vorübergehenden Schliessung
           der Kantine über mehrere Wochen höhere Mehrkosten für die auswärtige
           Verpflegung entstehen, kann er diese im Veranlagungsverfahren mittels
           entsprechender Belege geltend machen, obwohl ein Kreuz in Feld G des
           Lohnausweises angebracht ist. Das Kantonale Steueramt kann eine
           Bestätigung des Arbeitgebers verlangen, falls nicht ein entsprechender
           Hinweis in Ziff. 15 des Lohnausweises angebracht wurde.
 

2.6    Berufskostenpauschale
          Eine Kürzung der Berufskostenpauschale erfolgt aufgrund der Covid-19 Pandemie
          nicht, auch wenn sich die Berufskosten im Falle einer reduzierten Tätigkeit während
          des Lockdowns verringert haben.

 


3     Selbständigerwerbende
 

3.1    Kredite
         Die vom Bund, einem Kanton oder anderen Institutionen ausgerichteten Kredite,
         die zur Erfüllung der geschäftlichen Tätigkeit dienen, werden dem Geschäftsvermögen
         zugewiesen. Allfällige zu bezahlenden Zinsen können abgezogen werden. Verzichtet
         der Gläubiger später auf die Rückzahlung des Darlehens, stellt dies dann steuerbares
         Einkommen dar.

 

3.2     Entschädigung für Erwerbsausfall (Taggelder)
           Da auf den ausbezahlten Entschädigungen für Erwerbsausfall bereits
           Sozialversicherungsbeiträge abgerechnet wurden, muss dieses Einkommen
           gesondert vom Ergebnis aus der selbständigen Tätigkeit in der Steuererklärung
           unter Ziff. 230 / 231 deklariert werden. Der Verlust aus selbständiger Tätigkeit
           kann mit dem übrigen Einkommen (dazu gehören auch Taggelder für Erwerbs-
           ausfall) verrechnet werden.
 

3.3     Überbrückungshilfe für Selbständigerwerbende
           Die gestützt auf die Notverordnung über die Überbrückungshilfe für Selbständig-
           erwerbende infolge der Corona-Pandemie ausgerichteten Beiträge aus dem
           Überbrückungsfonds sind steuerfrei. Es handelt sich um Unterstützungsleistungen
           aus öffentlichen Mitteln im Sinne von § 32 Abs. 1 lit. d StG und Art. 24 lit. d DBG.
 

3.4     Zinserlass bei kantonalen Mietobjekten
           Der vom Bau- und Justizdepartement gewährte Zinserlass führt zu einer
           Minderung der Ausgaben und ist in der Jahresrechnung des Selbständig-
           erwerbenden entsprechend zu berücksichtigen.
 

3.5     Mietzinsreduktion von Geschäftsräumen
          Das Amt für Wirtschaft beteiligt sich für die Dauer der vom Bund angeordneten
          Schliessung der Geschäfte mit einem Drittel an der Geschäftsmiete, sofern sich
          der Vermieter bzw. die Vermieterin ebenfalls mit einem Drittel beteiligt. Die
          Beteiligung des Kantons an den Mietzinsaufwendungen sowie der Zinserlass
          des Vermieters bzw. der Vermieterin führt zu einer Minderung der Ausgaben
          und ist in der  Jahresrechnung des Selbständigerwerbenden entsprechend
          zu berücksichtigen.

3.6    Ausfallentschädigung für Kulturschaffende
          Die vom Amt für Kultur und Sport ausgerichteten Ausfallentschädigungen
          für Kulturunternehmen stellen steuerpflichtiges Einkommen dar und sind
          in der Jahresrechnung als ausserordentliches Einkommen zu berücksichtigen.

3.7    Soforthilfe für Kindertagesstätten
          Die vom Departement des Innern ausgerichteten Überbrückungshilfen
          stellen steuerpflichtiges Einkommen dar und sind in der Jahresrechnung
          als ausserordentliches Einkommen zu berücksichtigen.

4       Kinderdrittbetreuungskosten
          Die selbstgetragenen, effektiv angefallenen Kosten für die Kinderdrittbetreuung
          sind auch während der Coronavirus-Krise vollständig abziehbar, wenn die
          gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

5       Lohnausweis
 

5.1    Allgemeines
         Die im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie beschlossenen
         Massnahmen der Bundes- und Kantonsregierungen haben weitreichende
         Auswirkungen auf den Arbeitsalltag. Beim Ausfüllen des Lohnausweises
         ist den veränderten Verhältnissen wie folgt Rechnung zu tragen:
 

5.2   Geschäftswagen
         Die Covid-19 Pandemie hat diesbezüglich keine Auswirkungen auf das
         Ausfüllen des Lohnausweises.
         Im Lohnausweis ist denjenigen Arbeitnehmenden, die über einen Geschäftswagen
         verfügen, weiterhin ein Privatanteil für jeden Monat, in denen ihnen das
         Geschäftsauto zur Verfügung steht, in Ziff. 2.2. des Lohnausweises aufzurechnen.
         Der Privatanteil deckt die private Nutzung des Geschäftsautos ab, jedoch nicht
         den Arbeitsweg. Der geldwerte Vorteil entsteht daher unabhängig davon, ob der
         Arbeitnehmende am Arbeitsort oder zu Hause, oder aufgrund von Kurzarbeit
         vorübergehend nicht oder nur zu einem reduzierten Pensum arbeitet.
         Ebenfalls unverändert ist das Kreuz in Feld F zu setzen.
         In Ziff. 15 des Lohnausweises sind die Aussendienst-Arbeitstage zu deklarieren,
         wobei Homeoffice-Arbeitstage und Kurzarbeitstage ebenfalls als Aussendienst
         gelten, wenn an diesen Tagen kein Arbeitsweg anfällt. Sofern der Arbeitgeber eine
         pauschale Deklaration anhand der von der ESTV publizierten Erfahrungswerte
         (Beilage zu Mitteilung-002-D-2016-d vom 15. Juli 2016) vornimmt, kann der
         Arbeitnehmende im Veranlagungsverfahren einen höheren Anteil an Aussendienst-
         tätigkeit aufgrund der Arbeit im Homeoffice nachweisen.
 

5.3   Vergünstigte Mahlzeiten
         Die Covid-19 Pandemie und die damit verbundene vorübergehende Schliessung
         einer Kantine, welche den Arbeitnehmern vergünstigtes Mittagessen abgibt,
         hat keine Auswirkungen auf das Ausfüllen des Lohnausweises. Der Arbeitgeber
         hat weiterhin das Kreuz in Feld G anzubringen. Eine vorübergehende Schliessung
         der Kantine ist unter Ziff. 15 des Lohnausweises festzuhalten.
 

5.4  Verpflegung und Unterkunft
        Die Covid-19 Pandemie hat diesbezüglich keine Auswirkungen auf das Ausfüllen
        des Lohnausweises.
        In Ziff. 2.1 des Lohnausweises ist der Wert zu deklarieren, der dem Arbeitnehmenden
        dadurch zufliesst, dass er gratis Verpflegung und Unterkunft vom Arbeitgeber erhält.
        Als Wert ist nur zu deklarieren, was dem Arbeitnehmer effektiv aufgrund geleisteter
        Arbeitstage zufliesst. Arbeitet der Arbeitnehmende aufgrund Kurzarbeit oder
        Homeoffice nicht im Hotel/Restaurant, muss auch keine Naturalleistung aufgerechnet
        werden.
 

5.5  Kurzarbeitsentschädigung
        Kurzarbeitsentschädigungen sind gemäss Wegleitung grundsätzlich in Ziff. 7 des Lohn-
        ausweises auszuweisen.
        Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer den vollen Lohnbetrag
        trotz Kurzarbeit überweist.

        Beispiel:
        Der Arbeitnehmer hat ein monatliches Gehalt von CHF 6‘000. Der Arbeitgeber meldet
        50% Kurzarbeit an und erhält für seinen Arbeitnehmenden eine Kurzarbeitsentschä-
        digung von CHF 2‘400 (80%). Der Lohnausweis ist wie folgt auszufüllen: Der Betrag
        von CHF 2‘400 ist in Ziff. 7, der Lohn von CHF 3‘600 in Ziff. 1 zu deklarieren.
        In den Bemerkungen von Ziff. 15 sind die Tage mit Erwerbsausfallentschädigung
        auszuweisen.
   
        Arbeitgeber, die aus buchhalterischen Gründen die Kurzarbeitsentschädigung nicht
        in Ziff. 7 ausweisen können, deklarieren den gesamten Lohn inklusive Kurzarbeits-
        entschädigung in Ziff. 1.
        In den Bemerkungen von Ziff. 15 machen sie einen Hinweis auf die Kurzarbeitsent-
        schädigung, indem die Anzahl Tage genannt werden, an denen ganz- oder halbtags
        nicht gearbeitet wurde.

 

 


5.6   Spesenvergütungen
         Pauschale Spesenvergütungen für Repräsentationsspesen oder die geschäftliche
         Nutzung des Privatwagens werden auch während der vorübergehenden Tätigkeit
         im Home-Office aufgrund der Covid-19-Pandemie als Spesenersatz akzeptiert und
         sind in den Ziff. 13.2.1 (Repräsentationsspesen) und 13.2.2 (Autospesen)
         des Lohnausweises mit Betrag auszuweisen. Dasselbe gilt für die unter Ziff. 13.2.3
         aufzuführenden «übrigen Pauschalspesen»

         Bei einer vorübergehenden Pensenreduktion aufgrund von Kurzarbeit wird auf eine
         Kürzung (Aufrechnung) der Pauschalspesen verzichtet, sofern die Kurzarbeit nicht
         länger als 3 Monate dauerte. Hingegen ist bei einer Kurzarbeit von über 3 Monaten
         die pauschale Spesenentschädigung ab dem 4. Monat im Umfang der Kurzarbeit
         prozentual zu kürzen bzw. als Lohnbestandteil zu behandeln.

         Pauschalspesen für die Tätigkeit im Home-Office sind im Lohnausweis auszuweisen
         (Ziff. 13.2.3 mit Vermerk «Home-Office» oder Ziff. 15).