Fahrkosten zum Arbeitsort

Gesetzliche Grundlagen
§ 33 StG
§  3 StVO Nr. 13
Art. 26 DBG
Art.  5 BKV


Weitere Grundlagen

•    Mitteilung-002-D-2016-d der ESTV vom 15. Juli 2016 - Neuerungen bei der
      Ausfertigung des Lohnausweises ab 1. Januar 2016: Deklaration des Anteils
      Aussendienst bei Mitarbeitenden mit Geschäftsfahrzeug (inkl. Beilagen)
•    Gehaltsnebenleistungen an Mitarbeitende der dem VöV
      (Verband öffentlicher Verkehr) angeschlossenen Unternehmen
      (Praxisempfehlungen der SSK vom 2./3. Juni 2015 bzw. Dezember 2012)
•    Jährliches Rundschreiben der ESTV: Berufskostenpauschalen und
      Naturalbezüge / Ausgleich der Folgen der kalten Progression bei der
      direkten Bundessteuer für das jeweilige Steuerjahr 


Inhalt
1       Grundsätzliches
2       Abonnementskosten für öffentliche Verkehrsmittel
2.1    Grundsätzliches
2.2    Angestellte des öffentlichen Verkehrs
3       Fahrrad, Motorfahrrad oder Kleinmotorrad
4       Auto, Motorrad
5       Bundessteuer
5.1    Pendlerabzug
5.2    Unentgeltliche Beförderung zwischen Wohn- und Arbeitsort


1       Grundsätzliches

Abziehbar sind grundsätzlich nur die Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte für das öffentliche Verkehrsmittel. Die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels ist dann nicht zumutbar, wenn mit einem privaten Fahrzeug eine tägliche Zeitersparnis von über einer Stunde (gemessen von der Haustür zum Arbeitsplatz und zurück) erzielt wird. Zumutbar ist, dass bei variabler oder gleitender Arbeitszeit eine Abstimmung auf die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel vorgenommen wird. Unmassgeblich für die Beurteilung der Zumutbarkeit ist die berufliche Stellung für sich allein.


2       Abonnementskosten für öffentliche Verkehrsmittel

2.1    Grundsätzliches


Abziehbar sind grundsätzlich die Abonnementskosten für Bahn, Bus und Tram der 2. Klasse. Bei Benützung der 1. Klasse ist die Quittung beizulegen. 


2.2    Angestellte des öffentlichen Verkehrs

Bei allen Angestellten wird ein Privatanteil GA-FVP unter Ziffer 2.3 des Lohnausweises bescheinigt. Für die Bescheinigung ist der Marktpreis massgebend. Der Privatanteil beträgt pauschal (bei allen Angestellten) 30 % des Einzelhandelspreises (abzüglich eines allfälli-gen durch den Angestellten bezahlten Betrags, wobei ein negativer Privatanteil nicht zulässig ist).

Bei der Abgabe eines GA-FVP ist auf dem Lohnausweis bei allen betroffenen Angestellten Feld F anzukreuzen. Somit entfällt ein allfälliger Arbeitswegabzug. Personen (Lokführer, Bus- und Tramchauffeure, Kontrollpersonal, Rangierpersonal usw.), die ihren Arbeitsweg aufgrund fehlender Verbindung zu Arbeitsbeginn oder –ende regelmässig nicht mit dem öV zurücklegen können, können ohne weiteren Nachweis für die Hälfte der Arbeitstage die Kosten mit dem privaten Motorfahrzeug geltend machen. Ein höherer Anteil (> 50 %) müsste der Steuerpflichtige belegen. Auf den Lohnausweisen von Personal, das regelmäs-sig Früh- oder Spätdienst leistet, wird unter Ziff. 15 die Bemerkung «Unregelmässiger Dienst ohne öV-Verbindung» angebracht.


3       Fahrrad, Motorfahrrad oder Kleinmotorrad

Der Pauschalabzug für Fahrrad und Kleinmotorrad beträgt CHF 700 pro Jahr. Bei unterjäh-rigen Arbeitsverhältnissen ist der Abzug anteilsmässig (pro rata) zu kürzen.


4       Auto, Motorrad

Die Kosten für das private Motorfahrzeug können ausnahmsweise geltend gemacht werden, wenn:
–    ein öffentliches Verkehrsmittel fehlt, das heisst, wenn die Wohn- oder Arbeitsstätte
      von der nächsten Haltestelle mindestens 1 km entfernt sind oder bei Arbeitsbeginn
      oder -ende kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht;
–    mit dem privaten Motorfahrzeug eine Zeitersparnis von über einer Stunde pro Tag
      (gemessen von der Haustür zum Arbeitsplatz und zurück) erzielt werden kann
      (Urteil KSG SGSTA.2012.32 vom 25. Juni 2012; Urteil KSG SGSTA.2011.120
       vom 26. März 2012);
–    der Steuerpflichtige auf Verlangen und gegen Entschädigung des Arbeitgebers das
      private Motorfahrzeug tatsächlich ständig während der Arbeitszeit benützt und für
      die Fahrten zwischen der Wohn- und der Arbeitsstätte keine Entschädigung erhält
      (Bestätigung des Arbeitgebers ist beizulegen);
–    der Steuerpflichtige infolge Krankheit oder Gebrechlichkeit ausserstande ist, ein
      öffentliches Verkehrsmittel zu benützen (Bescheinigung des Arztes beilegen).

In diesen Fällen können geltend gemacht werden:

–    für Motorrad mit weissem Kontrollschild 40 Rp. pro Fahrkilometer;
–    für Auto: 70 Rp. pro Kilometer für die ersten 10'000 km, 55 Rp. pro Kilometer für die
      zweiten 10'000 km, 45 Rp. pro Kilometer für die dritten 10'000 km und 35 Rp. für jeden
      weiteren Kilometer. In diesem Pauschalabzug sind Garagenmiete und Parkplatzgebühren
      enthalten;
–    in der Regel wird der Abzug für 220 Arbeitstage gewährt;
–    für die Hin- und Rückfahrt über Mittag dürfen höchstens die Kosten der auswärtigen
      Verpflegung (CHF 1‘600 bzw. CHF 3‘200) als Fahrtkosten gewährt werden;
–    in der Regel ist bei 2 Fahrten (Wohnort/Arbeitsort und zurück) und einer einfachen
      Wegstrecke von mehr als 5 km (beim halben Verpflegungsabzug) bzw. mehr als
      10 km (beim vollen Verpflegungsabzug) der Abzug für die auswärtige Verpflegung
      zu gewähren;
–    grundsätzlich ist die streckenmässig kürzeste Route abzugsfähig, die schnellste Route nur
      bei erheblicher Zeitersparnis; 
–    für die Berechnung des Arbeitsweges wird auf die Angaben gemäss Google Maps
      abgestellt (Abfahrtszeit Montag 07:00 Uhr; gibt Google Maps eine Zeitspanne an,
      ist der mittlere Wert zu verwenden);
–    Lehrer im Vollpensum können den Wegabzug i.d.R. für 180 Arbeitstage geltend machen.
      Das Steuergericht hat in einem Urteil vom 20. April 2020 (SGSTA.2019.61) diese Regelung
      nicht beanstandet. Die relativ offene Arbeitszeitregelung der Lehrpersonen rechtfertigen
      eine besondere steuerliche Regelung, da diese nicht die gleichen umfassenden
      Präsenzzeiten wie andere Arbeitnehmende haben;
–    Aussendienstmitarbeiter können in der Regel keine Arbeitswegkosten geltend machen, da
      diese überwiegend von zu Hause direkt zu den Kunden bzw. vom Kunden direkt nach
      Hause fahren und somit alle Autokilometerkosten vom Arbeitgeber vergütet erhalten.
      Sollte dieser Fall nicht zutreffen, beispielsweise bei einem reduzierten Aussendienstanteil
      oder wenn die Kundenbesuche oft vom Arbeitsort (dem Sitz des Arbeitgebers) aus
      erfolgen, ist der auf den Arbeitnehmer entfallende Kostenanteil zu ermitteln
      (siehe Beispiele).
      Auch an Tagen mit Home-Office fallen keine Arbeitswegkosten an.


Beispiele

1.    Ein Aussendienstmitarbeiter hat ein Vollpensum inne, ist jedoch nur während 3 von 5 Tagen pro Woche im Aussendienst unterwegs (reine Aussendiensttage). An den verbleibenden 2 Tagen arbeitet er im Büro am Sitz des Arbeitgebers. Der Arbeitgeber vergütet lediglich die Autokosten während des Aussendiensteinsatzes. --> Der Arbeit-nehmer kann an 2 Tagen pro Woche bzw. 88 Tagen pro Jahr die Arbeitswegkosten (Wohnort - Arbeitsort und zurück) geltend machen.

2.    Komplizierter kann sich der Sachverhalt bei einem Aussendienstmitarbeiter, dessen Kundenkreis weit weg von seinem Arbeitsort, sich jedoch in der Nähe des Arbeitge-bers befindet, präsentieren. Sollte der Arbeitgeber lediglich die Spesen ab Arbeitsort (Sitz des Arbeitgebers) vergüten, kann der Aussendienstmitarbeiter den regulären Ar-beitsweg ganz oder teilweise abziehen. Die Situation muss individuell geprüft wer-den, z.B. mit Hilfe eines Fahrtenbuchs. Dabei gilt es, die Kilometerzahl insgesamt, d.h. Arbeitsweg sowie rein berufliche Fahrten, zu ermitteln. An den reinen Aussen-diensttagen erhält der Arbeitnehmer zumindest einen Teil der auf den Arbeitsweg entfallenden Kosten vergütet. Dasselbe gilt bei Fahrten, anlässlich derer der Arbeit-nehmer die Kunden unterwegs zum Arbeitsort besucht. – Der Arbeitnehmer, dessen regulärer einfacher Arbeitsweg 50 km beträgt, besucht morgens einen Kunden und legt dabei zusätzliche 10 km zurück. Anschliessend fährt er an seinen Arbeitsort, abends fährt er direkt nach Hause. Der Kunde liegt 20 km vom Arbeitsort entfernt. Der Arbeitgeber vergütet dem Arbeitnehmer 2 x 20 km als Autospesen. Die beim Arbeitnehmer anfallenden Wegkosten betragen 70 km (zurückgelegter Weg von total 110 km abzüglich vergüteten Weg von 40 km).

Die Möglichkeit der tatsächlich nachgewiesenen Fahrkosten entfällt. Es gelten nur noch die pauschalen, abgestuften Kilometeransätze.


5       Bundessteuer

5.1    Pendlerabzug


Bei der direkten Bundessteuer können pro Kalenderjahr maximal CHF 3‘000 Fahrkosten (Fahrrad, öffentlicher Verkehr, Auto) geltend gemacht werden. Von dieser Regelung sind auch die Wochenaufenthalter betroffen, das heisst, dass die Fahrten während der Arbeitswoche zusammen mit den Fahrten am Wochenende (nach Hause und zurück) insgesamt nur noch zu einem Maximalbetrag von CHF 3‘000 abgezogen werden können. 
Auch bei einer unterjährigen Beschäftigungsdauer ist ein Abzug von bis zu CHF 3‘000 möglich. Bei Todesfällen kann der überlebende Ehegatte in beiden Steuerperioden zusammen maximal CHF 3‘000 als Arbeitswegkosten abziehen.


5.2     Unentgeltliche Beförderung zwischen Wohn- und Arbeitsort
Die Einschränkung des Pendlerabzugs auf maximal CHF 3‘000 kann bei Angestellten mit persönlich zugeteiltem Geschäftsauto zu zusätzlichem Einkommen führen, wenn die für den Arbeitsweg eingesparten Kosten CHF 3‘000 übersteigen. Der eingesparte Betrag berechnet sich anhand der Anzahl Arbeitstage ohne Aussendiensttätigkeit x Arbeitsweg pro Tag x Kilometeransatz abzüglich CHF 3‘000. Ist das Ergebnis positiv, führt dies bei der Bundessteuer zu zusätzlichem Einkommen.

Beispiel
Angestellter im Vollpensum, Aussendienstquote 20 %*, Arbeitsweg pro Tag 50 km (2 x 25 km):
Arbeitstage am üblichen Arbeitsort (220 x 80 %)                                    176 Tage
Wegstrecke an den Arbeitsort pro Jahr (176 x 50 km)                            8‘800 km
Einkommen, brutto (8‘800 km x CHF 0.70)                                             CHF 6‘160
./. maximaler Pendlerabzug                                                                    CHF 3‘000
Einkommen, netto                                                                                   CHF 3‘160
* Gemäss Mitteilung der Eidgenössischen Steuerverwaltung vom 15. Juli 2016 ist ein Aussendiensttag dann gegeben, wenn der Angestellte keinen (physischen) Kontakt mit dem üblichen Arbeitsort hatte. Dazu zählen reine Tage im Aussendienst, Auslandabwesenheit, Arbeitstage zuhause (Home-Office). Zur weiterführenden Definition sei auf die Mitteilung verwiesen. Die Beilage zur Mitteilung listet überdies pauschale (allgemein akzeptierte) Aussendienstanteile nach Branchen, Funktionen und Berufsgruppen auf.
Von der geltenden Regelung sind sowohl Angestellte mit persönlich zugeteiltem Geschäftsauto betroffen als auch solche, die mit ihrem Privatauto in einer Weise beruflich unterwegs sind, dass auch die Kosten des Arbeitswegs (durch Spesen) gedeckt sind.